Meine Motorradtour mit KI geplant: Zum Glück nicht in Spanien gelandet
Eine Motorradtour zu planen gehört für mich eigentlich schon zur Reise dazu. Normalerweise beschäftige ich mich Wochen, manchmal sogar Monate vorher damit. Ich hänge über Karten, stöbere in Reiseführern und auf Webseiten und versuche, daraus für mich die perfekte Tour zusammenzubauen. Dazu nutze ich sehr gerne die App Kurviger, mit der ich später auch unterwegs navigiere. Dieses Mal habe ich ausgerechnet den Teil, den ich am liebsten selbst mache, einer KI anvertraut. Genauer gesagt Gemini. Acht Tage später bin ich wieder zu Hause. Zeit für die Antwort auf die Frage: Was kann die KI wirklich und wo musste ich doch wieder selbst ran?
Ein paar Vorgaben musste die KI schon bekommen
Ganz freie Hand bekam Gemini natürlich nicht. Ich gab die Wohnorte meines Onkels südlich von München und eines ehemaligen Kollegen bei Bamberg ein. Aus Datenschutzgründen natürlich weder Namen noch genaue Adressen. Dazu kamen einige Ziele, die für mich gesetzt waren: Köterberg, Wasserkuppe und als Eberhofer Fan natürlich Niederkaltenkirchen. Außerdem gab es klare Spielregeln: drei Fahrtage für den Hinweg, vier für den Rückweg, keine Autobahnen, möglichst wenige Ampeln und große Städte möglichst vermeiden. Auch wollte ich einen möglichst großen Teil der Romantischen Straße mitnehmen.
Aus diesen Vorgaben sollte Gemini eine schöne Motorradtour bauen. Und das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht. Die KI verband nicht einfach nur Start und Ziel, sondern schlug Strecken und Regionen vor, die ich teilweise überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.
Plötzlich standen Ziele auf dem Plan, die ich nicht kannte
Los ging es durchs Weserbergland und über den Köterberg. Danach führte mich die Route durch die Rhön mit der Wasserkuppe, an die Mainschleife und über Teile der Romantischen Straße. Später kamen der Ammersee und das Kloster Andechs dazu, bevor ich schließlich südlich von München bei meinem Onkel ankam. Natürlich hielt ich unterwegs trotzdem immer wieder spontan an. Eine KI kann schließlich nicht wissen, dass ein Fotograf bei einem schönen Motiv nur sehr schwer einfach weiterfahren kann. Und wenn dann auch noch die Drohne im Koffer liegt, ist sowieso alles vorbei.
Auf dem Rückweg wurde die Planung für mich noch interessanter. Niederkaltenkirchen war Pflicht. Leberkässemmel beim Simmerl, Foto der GS vor der riesigen Leberkässemmel und zehn Runden im Eberhofer Kreisel. So etwas muss eine KI nicht verstehen. Sie muss nur wissen, wie man hinkommt.

Danach führte mich die Strecke durchs Altmühltal und schließlich in eine Gegend, die für mich zu den größten Überraschungen der ganzen Tour wurde: die Fränkische Schweiz. Felsen direkt neben der Straße, kleine kurvige Strecken und eine Burg nach der anderen. Genau solche Entdeckungen hatte ich mir von dem Experiment erhofft. Die Fränkische Schweiz hätte ich bei meiner eigenen ersten Planung wahrscheinlich gar nicht eingebaut und ausgerechnet dort hat es mir besonders gut gefallen.
Sogar einen Bikertreff hat die KI gefunden
Gemini schlug mir sogar einen Bikertreff vor, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte: Kathi Bräu in Heckenhof. Als ich dort ankam, war der Biergarten voller Motorradfahrer. Dazu gab es Würstel mit Sauerkraut und zwischen all den Motorrädern entdeckte ich sogar Kennzeichen aus meinem Nachbarlandkreis Herford. Da fährt man mehrere Tage quer durch Deutschland und trifft beim Würstelessen in Franken beinahe die Nachbarn.
Auch für den weiteren Rückweg kamen Vorschläge, die mir gefielen. Über Bamberg ging es Richtung Thüringen, durch den Thüringer Wald und über den Rennsteig zur Wartburg bei Eisenach. Anschließend folgte ich der Werra. Teilweise führte die Route über die Deutsche Märchenstraße und durchs Frau Holle Land bis nach Hann. Münden, wo Werra und Fulda bekanntlich zur Weser werden. Von dort ging es am letzten Tag schließlich Richtung Heimat.
Gerade diese vielen kleinen Vorschläge waren für mich die Stärke der KI. Sie hat nicht nur bekannte Sehenswürdigkeiten aneinandergereiht, sondern mir immer wieder Orte und Regionen vorgeschlagen, nach denen ich selbst wahrscheinlich gar nicht gesucht hätte.
Über Würzburg mussten wir allerdings diskutieren
Ganz ohne Diskussion zwischen Mensch und Maschine ging es trotzdem nicht. Mein Wunsch „keine großen Städte“schien etwas Interpretationsspielraum zu besitzen. Gemini wollte mich nämlich unbedingt durch Würzburg schicken. Ich wollte nicht durch Würzburg. Gemini fand Würzburg offenbar trotzdem eine hervorragende Idee. Ich erinnerte den Chatbot noch einmal daran, dass ich ausdrücklich möglichst keine großen Städte auf meiner Route haben wollte.
Am Ende setzte sich der Mensch durch.
Und das war auch gut so. Denn wenn ich auf dieser Reise eines wieder festgestellt habe, dann dass Stadtrundfahrten mit dem Motorrad nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören. Ampeln, Verkehr und die Suche nach der richtigen Spur brauche ich nicht, wenn ein paar Kilometer weiter eine kleine Landstraße wartet.
Baustellen interessieren die KI nur bedingt
Eine weitere Grenze zeigte sich unterwegs ebenfalls ziemlich schnell: Eine am Rechner geplante Strecke ist nicht automatisch eine Strecke, die sich an diesem Tag perfekt fahren lässt. Deutschland hat momentan gefühlt mehr Baustellen als Burgen und davon hatte ich unterwegs reichlich. Sperrungen und Umleitungen sorgten deshalb immer wieder dafür, dass die ursprüngliche Route verändert werden musste.
Auch merkt eine KI natürlich nicht, wie sich eine Straße auf dem Motorrad tatsächlich anfühlt. Sie sitzt nicht hinter einem Lkw, der sich kilometerlang durch eine Ortsdurchfahrt schiebt. Sie steht nicht an der fünften roten Ampel hintereinander und sie weiß nicht, dass eine Straße auf der Karte zwar hervorragend aussieht, in Wirklichkeit aber gerade keinen großen Spaß macht.
Deshalb habe ich die Vorschläge auch nicht einfach blind übernommen. Für den Feinschliff kam wieder Kurviger ins Spiel. Dort habe ich die einzelnen Tagesetappen noch einmal überprüft, verändert und anschließend damit navigiert.
Würde ich meine nächste Tour wieder mit KI planen?
Nach acht Tagen lautet meine Antwort: Ja, aber nicht nur.
Für die ersten Schritte einer Tourenplanung finde ich KI inzwischen richtig gut. Gemini hat mir eine Grundlage geliefert, auf der ich hervorragend weiterarbeiten konnte. Vor allem hat die KI mir Regionen, Straßen, Sehenswürdigkeiten und sogar einen Motorradtreff vorgeschlagen, die ich teilweise vorher nicht kannte. Gerade die Fränkische Schweiz ist dafür das beste Beispiel. Sie war eine der schönsten Überraschungen meiner Reise und wäre ohne den Vorschlag der KI vielleicht gar nicht auf meiner Route gelandet.
Den Feinschliff werde ich trotzdem auch bei der nächsten Reise selbst machen. Nicht nur, weil die KI bei Baustellen, Verkehr oder der tatsächlichen Qualität einer Motorradstrecke an ihre Grenzen kommt. Sondern vor allem, weil ich mir diesen Teil gar nicht nehmen lassen möchte.
Über Karten hängen, kleine Straßen suchen, Reiseführer durchblättern, Ziele verschieben und irgendwann feststellen, dass aus ein paar Punkten auf einer Karte langsam eine Reise entsteht, gehört für mich einfach dazu. Die Planung ist schließlich schon ein Teil der Vorfreude.
Mein Experiment hat für mich deshalb ziemlich gut funktioniert: Die KI liefert Ideen, findet Überraschungen und baut daraus eine erstaunlich gute Grundlage. Ich entscheide anschließend, was davon wirklich auf meine Route kommt.
Und das Wichtigste: Ich bin tatsächlich in Bayern und nicht in Spanien gelandet.
Obwohl ich gegen ein paar zusätzliche Tage Motorradfahren in Spanien vermutlich auch nichts einzuwenden gehabt hätte. 😄

