Ich habe einen vierwöchigen Volontärskurs an der Akademie für Publizistik in Hamburg besucht. Seit vielen Jahren arbeite ich im Foto/Video Team von NOZ/mh:n MEDIEN. Irgendwann habe ich Blut am Journalismus geleckt und durfte immer häufiger Reportagen schreiben. Da dachte ich eigentlich, ich wüsste, wie der Hase läuft.
Nun saß ich plötzlich mit 17 Teilnehmern im Unterricht. Fast alle mitte zwanzig. Rein rechnerisch hätten einige meine Kinder sein können. Ich war dagegen der lebende Beweis dafür, dass man auch ohne TikTok erwachsen werden kann.
Nach der ersten Woche war mein Kopf voller als jede Speicherkarte. Neun Stunden Unterricht täglich. Storytelling, Podcasts, Mobile Reporting und künstliche Intelligenz. Mein Gehirn machte Überstunden, während die Jüngeren abends um Viertel nach zehn noch locker in der WhatsApp Gruppe fragten, wer mit in die Bar kommt.
Ich lag zu dieser Zeit schon im Erholungsmodus.
In der dritten Woche produzierten wir einen Podcast über die Unterschiede zwischen den Generationen. Da wurde schnell klar, wie unterschiedlich unsere Welten sind. Ich hielt meine zweieinhalb Stunden Bildschirmzeit schon für sportlich. Die anderen kamen locker auf mehr als vier. Ich ignoriere bis heute WhatsApp Sprachnachrichten, weil man sie nicht lesen kann. Für die anderen war das ungefähr so unverständlich, als würde ich erzählen, dass ich meine Texte in Stein meißele. Am meisten überrascht hat mich das Storytelling Modul. Für meine Reportage bekam ich wertvolles Feedback und jede Menge Werkzeuge an die Hand. Besonders hängen geblieben ist der Satz von Dozentin Anne Backhaus: „Das Kotelett ist wichtiger als das Popcorn.“ Die Leidenschaft der Hauptfigur zählt mehr als die Beschreibung des Raumes. Weniger Zwischentitel, mehr Vertrauen in den eigenen Erzählfluss. Genau solche Hinweise fand ich spannender als jedes Lob..
Neben dem Unterricht blieb auch Zeit für Hamburg. Ich zog mit der Kamera durch die Straßen von St. Pauli und kämpfte mich an den Wochenenden durch hoffnungslos überfüllte Regionalzüge.
Nach vier Wochen blieb eigentlich nur eine Frage.
War das jetzt eine Midlife Krise oder einfach die beste Fortbildung seit Langem?
Ich tippe auf die Fortbildung. Denn egal, ob Anfang zwanzig oder Anfang fünfzig. Voneinander lernen funktioniert erstaunlich gut. Man muss nur bereit sein, den eigenen Kopf hin und wieder auf Werkseinstellungen zurückzusetzen.
Und dafür kann ich am Ende nur Danke sagen. Danke an unsere Seminarleiterin Alexandra Katharina Kütemeyer und an NOZmedien Jetzt freue ich mich aber wirklich auf Montag. Zurück zu meinen Kollegen, zurück in den Redaktionsalltag. Und das meine ich tatsächlich ernst.
Mit 51 zurück auf die Schulbank

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Andre Havergo
kommt aus Stemwede und arbeitet seit mehr als zehn Jahren für NOZmedien. Seit Januar 2022 gehört er fest zum Foto- und Videoteam. Als Multimediareporter ist er dort unterwegs, wo Geschichten entstehen – von der Kaninchenausstellung bis ins Cockpit eines Airbus in 11.000 Metern Höhe. Kein Tag gleicht dabei dem anderen.
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Hier finden Sie eine Auswahl meiner Reportagen sowie Einblicke hinter die Kulissen und Geschichten aus meinem Reporterleben.
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